Reichsstädtisches Archiv

Stadtarchiv — Archivbibliothek

Die Archivbibliothek umfasst vier selbständige Bibliotheken und bildet mit 23.000 Bänden eine umfangreiche Sammlung zur Stadt- und Regionalgeschichte, zur Geschichte der Reformation und des Bauernkrieges sowie zur Rechts- und Medizingeschichte des 17./18. Jahrhunderts.
Die Bibliothek ist durch einen alphabetischen und einen Sachkatalog sowie zwei Spezialbibliographien erschlossen. Die Buchbestände können nur im Leseraum eingesehen werden, eine Ausleihe ist nicht möglich. Die Archivbibliothek ist nicht dem Fernleihverkehr angeschlossen.

Das Reichsstädtische Archiv mit seiner ständigen Ausstellung zur Stadtgeschichte

Ausstellungsort: Reichsstädtisches Archiv / Rathaushalle rechts

Von der Rathaushalle führt eine besonders gesicherte Tür in den 1595/96 erbauten Südflügel des Rathauses, in dem sich das weithin bekannte Reichsstädtische Archiv mit seiner Ausstellung befindet.

Die wachsenden Ansprüche an die Verwaltung im 15. und 16. Jahrhundert erforderten die Einrichtung eines organisierten Archivs, das ab 1615 im Zwischengeschoss des Südflügels seinen Platz fand. In den historischen Archivräumen beeindruckt besonders die Inneneinrichtung. Sie entstand in den Jahren 1615 bis 1648 und ist im Original erhalten geblieben. Die Schränke und Truhen verwahren auch heute noch die Akten und Stadtbücher aus der reichsstädtischen Zeit Mühlhausens.

Blick ins Reichsstädtische Archiv
Blick ins Reichsstädtische Archiv, Foto: Stadtverwaltung Mühlhausen

Fenster und Türen zeigen Renaissance-Malereien mit Pflanzen, Köpfen, Engeln und Tieren. Die lateinischen und griechischen Inschriften an den Schränken und Wänden weisen auf das Verhältnis der Bürger zum Staat, auf das Archiv und die archivische Tätigkeit hin. Mit den Buchstaben des Alphabets und den astronomischen Zeichen Sonne, Mond, Mars, Merkur, Jupiter, Stern, Venus und Saturn sind die Akten im Reichsstädtischen Archiv signiert. Mit Hilfe eines entsprechenden Verzeichnisses gelingt es dem Archivar, die Akten im Bedarfsfall wieder zu finden.

Die ausgestellten Dokumente in den 34 Schaukästen geben einen interessanten Einblick in die bedeutende Historie der ehemals freien Reichsstadt. Das Fragment (Kopie) einer Urkunde Ottos II. weist auf die erste schriftliche Erwähnung des Ortes "molinhuson" im Jahre 967 hin.

Eine sehr kostbare Handschrift ist das Mühlhäuser "Rechtsbuch nach des Reiches Recht", das älteste Stadtrechtsbuch in deutscher Sprache, entstanden um 1220, als aus der Siedlung Mühlhausen schon "des richis stadt" geworden war.

Aus dem 13. Jahrhundert berichten die Pergamenturkunden von der wachsenden Stärke der Bürgerschaft und ihrem erfolgreichen Streben, die Stadt selbst zu verwalten. 1256 zerstörten die Bürger die Pfalzburg. Die erreichte Selbständigkeit war eine wichtige Voraussetzung für den großartigen Aufschwung, den Mühlhausen in den beiden folgenden Jahrhunderten nahm.

Eine lange Tradition besaß die Herstellung von Tuchen, Woll- und Wirkwaren. Schon 1311 erwähnen die Mühlhäuser Statuten den Import von Baumwolle, welche hier gewiss weiter verarbeitet wurde. Mühlhäuser Tuche wurden vor allem im Nord- und Ostseeraum gehandelt. 1430 trat die Stadt schließlich der Hanse bei. 

Copialbuch von 1382
Copialbuch von 1382, Foto: Stadtverwaltung Mühlhausen
Archivbestände
Wandbemalung, Foto: Stadtverwaltung Mühlhausen

Die Aktenstücke des 16. Jahrhunderts weisen insbesondere darauf hin, dass die oppositionellen Bürger mit der Einführung der reformatorischen Lehre auch die Forderung verknüpften, an der Ausübung der Stadtherrschaft beteiligt zu werden. Besonders in Thüringen und hier in der Stadt Mühlhausen erlangte diese Bewegung eine große Bedeutung. Thomas Müntzer fand in der Reichsstadt Mühlhausen nach seiner Vertreibung aus Allstedt im August 1524 eine neue Zufluchtsstätte, die schließlich zum Zentrum von Reformation und Bauernkrieg in Thüringen werden sollte. Erbitterte innerstädtische Auseinandersetzungen gingen dem voraus. Bereits am 03. Juli 1523 kam es zu einem bewaffneten Aufstand. Der Rat wurde von einem gewählten Ausschuss, den Achtmännern, gezwungen, einen Rezess anzunehmen, der ihnen Mitbestimmung zusicherte.

Nach der militärischen Niederlage der Aufständischen von 1525 verlor die Stadt ihre Reichsfreiheit. Erst 1548 erhielt sie diese in einer schön gestalteten Pergamenturkunde mit einem Lacksiegel an Goldschnüren von Kaiser Karl V. wieder verliehen.

Vom Dreißigjährigen Krieg kündet der Schutzbrief, ausgestellt am 02. September 1625 in Eger und unterschrieben von Albrecht von Wallenstein. Der Rat musste dafür 14.500 Speziestaler, das war ein Monatssold für ein Reiterregiment mit 1.000 Pferden, bezahlen.

Am 05. August 1802 rückten preußische Truppen in Mühlhausen ein und setzten der Reichsfreiheit ein Ende. Nach der Schlacht bei Jena und Auerstedt 1806 wurde die Stadt zunächst bis 1813 vom Königreich Westfalen vereinnahmt. Danach gehörte Mühlhausen bis 1944 zum Regierungsbezirk Erfurt in der preußischen Provinz Sachsen. Von der preußischen Polizei stammen die Fahndungsersuchen und Steckbriefe, in denen zum Beispiel nach Karl Marx und Heinrich Heine gesucht wurde.

Abschließend soll auf einige Ausstellungsstücke verwiesen werden, die auch einen hohen kulturgeschichtlichen Wert besitzen. Sie stammen aus dem Buchbesitz der Mühlhäuser Klöster, die nach der Reformation aufgelöst worden waren. Darunter befinden sich prachtvolle Wiegendrucke wie der "Corpus iuris canonici, Decretum gratiani" von 1481 und der "Liber missalis" aus Basel von 1487 sowie die Handschrift vom "Zehnjungfrauenspiel", dem ältesten deutschen Drama, das 1321 in Eisenach aufgeführt wurde.

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Fachbereich 3: Stadtarchiv

Reichsstädtisches Archiv; Treppenabgang, Foto: Stadtverwaltung Mühlhausen
Reichstädtisches Archiv
Reichstädtisches Archiv, Foto: Stadtverwaltung Mühlhausen