Forstgeschichte

Die Waldflächen der Stadt Mühlhausen liegen bis über eine Entfernung von 15 km verstreut im Westen und Norden der Stadt in 16 verschiedenen Gemarkungen. Die Traditionen der Mühlhäuser Forstwirtschaft gehen zurück bis in das Mittelalter, als Mühlhausen - die Freie Reichs- und Hansestadt - zu den bedeutendsten Städten Deutschlands gehörte. In dieser Zeit der wirtschaftlichen Macht verfolgten die damaligen Ratsherren konsequent das Ziel, das Vermögen der Stadt und ihren Einflussbereich ständig zu erweitern.

Mühlhausen wurden erstmals im Jahre 976 urkundlich erwähnt. Bereits damals nutzten die Bürger das westlich der Stadt gelegene Waldgebiet des Hainich als vorrangige Quelle des Brenn- und Bauholzes, was sich z. T. bis heute in den Namen der Forstorten widerspiegelt (z. B. Bürgerhauung). Im ersten Viertel des 13. Jahrhunderts hatte der Deutsche Ritterorden eine Niederlassung in der Stadt gegründet. Er besaß in der näheren und weiteren Umgebung Mühlhausens reichen Grundbesitz, der ihm überwiegend durch Schenkungen oder Vermächtnisse zugefallen war.

Während des allmählichen Niederganges des Ritterordens aufgrund langanhaltender Kämpfe konnte die Stadt, die als Handelsstätte einen stetigen Aufschwung erlebte, ab 1534 die gesamten Wald- und Ackerfläche des Ordens im reichsstädtischen Gebiet pachten und im Jahr 1599 endgültig in ihr Eigentum übernehmen. So verfügte Mühlhausen bereits Ende des 16. Jahrhunderts über fast 2.500 ha Wald und 1.000 ha Acker- und Hutelandflächen.
Weiterhin besaßen die städtischen Spitäler und Stiftungen ebenfalls eigene Waldungen, die im Laufe der Jahre in den Stadtwald eingingen.

Das Territorium der Freien Reichsstadt umfasste zu dieser Zeit neben der Stadt Mühlhausen 19 reichsstädtische Dörfer. In diesem Gebiet konnten die Ratsherren mit ihrer Landeshoheit eigene Gesetze und Verordnungen erlassen. Bei der relativ dichten Bevölkerung und dem großen Gebiet wurde es sehr schnell erforderlich, auch bei der Nutzung des Waldes und der Vergabe des eingeschlagenen Holzes eine gewisse Ordnung herzustellen.

Die älteste Forstordnung, die im sehr guten erhaltenen Reichsstädtischen Archiv einzusehen ist, stammt aus dem Jahre 1565. Gleichfalls liegen dort die Aufzeichnungen des Bauholzregisters über Forstnutzung und Holzabgaben, z. B. aus dem Jahr 1525, als Thomas Müntzer mit den aufständischen Bauern in Mühlhausen während des "Bauernkrieges" die Ratsherren entmachtete.

Die Forstordnung dieser Zeit war bereits sehr detailliert. Sie enthielt genaue Anleitungen zum Waldbau und zum forstlichen Rechnungswesen. Diese wurde durch die Bestellung von Aufsichtspersonen, den Förstern und Holzmeistern, die Vergehen gegen die Holz- und Jagdordnung ahnden sollten, kontrolliert. Durch die häufigen Vorwürfe seitens der Bürgerschaft gegen die Ratsherren, was die Einschlagsmengen und deren Verteilung anbetraf, mussten die Aufzeichnungen und Abrechnungen der geschlagenen Holzmengen, die selbst das Reisig und die gerodeten Wurzelstöcken umfasste, äußerst genau vorgenommen und in Kontrollbüchern festgehalten werden. Diese Tätigkeit übernahm ab 1735 das Stadtforstamt Mühlhausen. In einer Veröffentlichung aus dem Jahre 1871 wurde für einzelne Schläge die jährliche Nutzung aus den städtischen Wäldern ab dem Jahre 1735 lückenlos dargelegt, der damalige Hiebssatz betrug im Durchschnitt 4 - 5 cbm pro Hektar.

Bereits die ersten Holzordnungen schrieben für den Mühlhäuser Stadtwald eine geregelte Mittelwaldwirtschaft vor. Der Turnus des Einschlages schwankte zwischen 12 und 20 Jahren, in den Schlägen mit ungünstigen Einschlags- und Abfuhrbedingungen wurde ein pleterartige Bewirtschaftung durchgeführt. Bereits 1642 erfolgte eine umfassende Kartierung und Vermessung des städtischen Waldbesitzes, die regelmäßig erneuert und aktualisiert wurde.

Im Jahr 1802 endete die reichsstädtische Ära und Mühlhausen wurde Preußen angegliedert, behielt jedoch seine Mittelwaldwirtschaft noch fast 100 Jahre bei. Ab 1860 wurde damit begonnen, städtische Huteflächen und am Waldrand liegende Parzellen mit Nadelhölzern aufzuforsten. Bis 1890 wurden insgesamt 300 ha Waldfläche neu begründet. In dieser Zeit gelangten auch einige Exoten in das stadtnahe Revier, von dene heute noch drei Riesen-Mammutbäumen (Sequoiadendron giganteum) mit einer Höhe von über 37 m und einem Stammumfang von 3,70 m zu besichtigen sind.

Ab 1902 folgte im Waldbau eine Neuorientierung vom rückständigen, nicht in die Zeit passenden Mittelwaldbetrieb hin zum planmäßigen Hochwaldbetrieb. Diese Überführung sollte durch eine Art geregelten Plenterbetrieb erreicht werden, wie er in den benachbarten Laubgenossenschaftswäldern bereits durchgeführt wurde.

Im Jahr 1937 stockten noch auf über 50% der Betriebsfläche überständige, teilweise 170 - 200-jährige Mittelwald-Überhälter der Baumarten Buche, Eiche, Ahorn und Esche.
Mühlhausen war seinerzeit über die Grenzen Mitteldeutschlands hinaus bekannt für sein starkes Wertholz, das bereits damals auf Versteigerungen veräußert wurde.

Nach dem 2.Weltkrieg existierte das Stadtforstamt noch 3 Jahre. 1948 musste die Stadt die Waldbewirtschaftung an die zentral gelenkten "Kommunalen Wirtschaftsbetriebe (KWU)" und danach an das Land Thüringen abgeben. Im Jahr 1952 wurden die Länderstrukturen aufgelöst und die Waldflächen den Staatlichen Forstwirtschaftsbetrieben als Volkseigentum zur Nutzung übergeben. Obwohl der damalige Bürgermeister gegen diese Entscheidung im Rahmen seiner Möglichkeiten heftig protestierte, war somit die forstliche Tradition der Stadt Mühlhausen beendet.

Die Waldungen wurden von 1952 bis 1990 nach den Vorgaben der Staatlichen Forstwirtschaftsbetriebe planmäßig genutzt. Mit der politischen Wende in der ehemaligen DDR und der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten im Jahr 1990 waren die gesellschaftlichen Voraussetzungen für die Rückführung des Stadtwaldes in die Hoheit der Stadt Mühlhausen geschaffen. Mit Hilfe der ehemaligen Forstwirtschaftsbetriebe und Dank der im Stadtarchiv fast vollständig vorliegenden Liegenschaftsunterlagen konnte Mühlhausen als erste Kommune in den neuen Ländern ihren Wald aus dem Vermögen der Treuhand zurückerhalten.
Am 19. Juni 1991 wurden fast 80% des städtischen Eigentums restituiert, und die Stadt übernahm wieder die Bewirtschaftung ihres Waldes.