Persönlichkeiten

Kristan von Mühlhausen

† 3. September 1295

Kristan entstammte einer reich begüterten Reichsministerialenfamilie. Er trat 1271 dem Deutschen Orden bei und ist seit 1272 als Pfarrer der Altstadtkirche St. Blasii und Komtur der Altstadtkommende des Ordens nachweisbar. 1276 wurde er zum Bischof von Samland (Königsberg) erhoben, doch blieben Mühlhausen und Thüringen sein bevorzugter Wirkungskreis. So war er Weihbischof der Mainzer Diözese und gilt als Erbauer des Neubaus der Blasiuskirche und der Annenkapelle in Mühlhausen.
Sein Grabstein im Chor der Blasiuskirche ist erhalten; nach ihm ist ein Platz benannt.

Thomas Müntzer

vor 1490 - † 27. Mai 1525 (hingerichtet)

Nach Studien in Leipzig und Frankfurt/Oder sowie seelsorgerischem Wirken an mehreren Orten kam Müntzer 1524 aus Allstedt nach Mühlhausen. Nach einem im September gescheiterten Versuch, die Machtverhältnisse in der Reichsstadt zu ändern, musste er Mühlhausen verlassen. Seit Februar 1525 wieder in der Stadt, predigte er in St. Marien die Rückkehr der Gläubigen in die "Ordnung Gottes". Müntzer wurde zum geistigen Führer des radikalen reformatorischen Flügels im Bauernkrieg.
Nach der Niederlage der Aufständischen bei Frankenhausen wurde er gefangen, gefoltert und schließlich vor den Toren Mühlhausens hingerichtet.
Nach Müntzer sind eine Straße und eine Schule benannt. Eine Gedenktafel an seinem Wohnhaus Bei der Marienkirche 9, zwei Denkmale sowie die "Thomas-Müntzer-Gesellschaft e. V." erinnern an sein Wirken.

Heinrich Pfeiffer

† 27. Mai 1525 (hingerichtet)

Pfeiffer floh 1521 nach Kontakt mit reformatorischem Gedankengut aus dem Kloster Reifenstein. Seine Predigten in der Vaterstadt Mühlhausen forcierten die innerstädtischen Auseinandersetzungen. Nach der Ausweisung kehrte er bald zurück und mit der Ankunft Müntzers im August 1524 wirkte er an dessen Seite. Nach erneuter Ausweisung versuchte er vergeblich, seine reformatorischen Gedanken in Nürnberg zum Druck zu bringen. Im Frühjahr 1525 wurde Pfeiffer neben Müntzer zum Führer der Aufstandsbewegung in Mühlhausen und Thüringen. Nach seiner Gefangennahme wurde er mit Müntzer hingerichtet.
Ein Denkmal und eine nach ihm benannte Straße erinnern an ihn.

Johannes Eccard

* 1553 - † Herbst 1611

1553 (die Überlieferung des Geburtsjahres ist unsicher, zweifelsfrei dagegen aber der Geburtsort) in Mühlhausen geboren, waren die Hofkapellen in Weimar und München, wo er Schüler Orlando di Lassos war, dann das Organistenamt bei den Fuggern in Augsburg, Stationen seines Lebensweges.
Die mit seinem Namen vor allem verbundene Wirkungsstätte wurde schließlich Königsberg, das in seiner Biografie einen ähnlichen Platz behauptet wie Leipzig in der Bachs. Als Hofkapellmeister am Hofe des Herzogs von Preußen entfaltete er eine beeindruckende Wirksamkeit. In Königsberg wurden auch mehrere Sammlungen seiner Lieder gedruckt, von denen nicht wenige bleibend in den Bestand protestantischer Kirchenliedgutes eingingen. 1608 wurde er dann Hofkapellmeister am kurfürstlich-brandenburgischen Hof in Berlin, wo er 1611 verstarb.

Johannes Eccard hat als Komponist wesentlich zur Entwicklung und Förderung der evangelischen Kirchenmusik nach der Reformation beigetragen. Er schrieb ca. 250 geistliche und weltliche mehrstimmige Gesänge und zählt zu den wichtigsten Schöpfern des protestantischen Kirchenlieds. Auch heute ist der Name Johannes Eccard für viele Musikinteressierte kein unbedeutender. Bekannt ist seine Komposition "Übers Gebirg Maria geht" oder das oft gesungene Weihnachtslied "Vom Himmel hoch, da komm ich her".

Johann Rudolf und Johann Georg Ahle

* 24. Dezember 1625 - † 9. Juli 1673 / * 12. Juni 1651 - † 2. Dezember 1706

Nach Studien in Göttingen und Erfurt wurde Johann Rudolf Ahle Kantor an St. Andreas in Erfurt. Im Jahre 1654 wurde er in seiner Vaterstadt Mühlhausen zum Organisten an Divi Blasii berufen. Seit 1655 Mitglied des Rates, wurde er noch 1673 zum Bürgermeister gewählt.

Johann Georg Ahle wurde 1673 als Nachfolger seines Vaters Organist an Divi Blasii. 1680 empfing er die kaiserliche Dichterkrone.

Vater und Sohn Ahle festigten als geschätzte Organisten und Komponisten den Ruf Mühlhausens als Musikstadt. Diesem Ruf folgte auch Johann Sebastian Bach als ihr Nachfolger im Organistenamt.
Nach beiden Ahles ist eine Straße benannt.

Johann Sebastian Bach

* 21. März 1685 - † 18. Juli 1750

Nach seinem Orgelvorspiel am 24. April 1707 wurde J. S. Bach am 15. Juni zum Organisten der Blasiuskirche bestellt. In Mühlhausen schuf er Kompositionen wie die Kantaten "Aus der Tiefe rufe ich, Herr zu Dir" (BWV 131) und "Gott ist mein König" (BWV 71), die neben anderen Werken seine Mühlhäuser Zeit als die der "frühen Meisterschaft" charakterisieren. Bachs Vorstellungen für einen Orgelneubau wurden 1959 von dem Orgelbauer Schuke erneut realisiert.
Bereits am 25. Juni 1708 reichte Bach sein Entlassungsgesuch ein, für das eine Vielzahl von Gründen verantwortlich zu sein scheint. Trotzdem blieb er der Stadt lebenslang verbunden.
Nach ihm ist ein Platz an der Divi-Blasii-Kirche benannt, eine Gedenktafel am Westportal dieser Kirche erinnert an sein Wirken in Mühlhausen. Anlässlich des 84. Bachfestes der Neuen Bachgesellschaft wurde 2009 vor der Divi-Blasii-Kirche das vom Hallenser Künstler Klaus Friedrich Messerschmidt geschaffene Bachdenkmal feierlich eingeweiht. Eine hölzerne Bach-Skulptur des Waliser Holzbildhauers Ed Harrison aus dem Jahr 2001 befindet sich in der Grünanlage Lindenbühl.

Wilhelm Gottlieb Tilesius von Tilenau

* 17. Juli 1769 - † 17. Mai 1857

Nach Studien der Medizin, der Naturwissenschaften und der Philosophie wurde er 1802 als Professor für Naturgeschichte an die Universität Moskau berufen. Von 1803-1806 nahm Tilesius an der ersten russischen Weltumsegelung teil und dokumentierte die Ergebnisse. Seine Arbeit wurde durch die Aufnahme in die Petersburger Akademie der Wissenschaften gewürdigt. Er kehrte 1814 in seine Vaterstadt Mühlhausen zurück. Ein Denkmal setzte er sich u. a. mit der Illustration der "Chronik" seines Onkels Christian Gottlieb Altenburg.
Nach ihm ist ein Gymnasium und nach seinem Geschlecht eine Straße benannt.

Carl Theodor Gier

 * 9. November 1796 - † 10. November 1856

Nach Studien der Medizin und der Rechte und der Teilnahme als Burschenschafter an den Befreiungskriegen wurde Gier bereits 1821 in den Magistrat seiner Vaterstadt Mühlhausen berufen. Als jüngstes Magistratsmitglied wurde er 1829 zum Bürgermeister gewählt.
Der konsequente Verfechter bürgerlich-liberalen Gedankengutes gehörte u. a. der Frankfurter Nationalversammlung an und trat der preußischen Reaktion entgegen. Vom König deshalb 1849 als Bürgermeister suspendiert, musste er 1850 nach seinem Freispruch wieder eingesetzt werden. Seiner Wiederwahl 1856 versagte der König die Zustimmung. Kurze Zeit später starb Gier.
Nach ihm ist eine Straße benannt und sein von den Bürgern gestiftetes Grabdenkmal auf dem Alten Friedhof wurde 1996 vor der Marienkirche aufgestellt.

Friedrich August Stüler

* 28. Januar 1800 - † 18. März 1865

Nach einer technischen Ausbildung und praktischer Bautätigkeit legte Stüler 1827 seine Prüfung als Baumeister mit höchstem Lob ab. Unter Förderung Schinkels vollendete er seine Ausbildung zum Architekten. Seine Kontakte zu Friedrich Wilhelm IV. waren neben seinen Fähigkeiten der beruflichen Entwicklung förderlich: 1829 Hofbauinspektor, 1831 Hofbaurat und Direktor der Schloßbaukommission, 1842 "Architekt des Königs".
Typisch für Stüler wurde die Einbindung seiner Bauwerke - Schlösser und Kirchen v. a. in Brandenburg und Mecklenburg - in die sie umgebende Landschaft. Als seine Hauptwerke gelten jedoch die Akademie der Wissenschaften in Budapest, das Neue Museum, die Nationalgalerie und gemeinsam mit Knoblauch die Neue Synagoge in Berlin, das Nationalmuseum in Stockholm, der Wiederaufbau der Burg Hohenzollern u. v. m.
Der engen Bindung an das preußische Königshaus ist die unsichere Zuschreibung seines Entwurfs für das Grabmal seines Mühlhäuser Freundes Gier geschuldet.
Nach ihm ist eine Straße benannt, und an seinem Geburtshaus Bei der Marienkirche 9 befindet sich eine Gedenktafel.

Johann August Roebling

* 12. Juni 1806 - † 22. Juni 1869

Nach dem Studium des Maschinenbaus und der Architektur, auch im Kontakt mit seinem Mühlhäuser Landsmann Friedrich August Stüler, und dem Vorlesungsbesuch bei Hegel arbeitete er wenige Jahre im preußischen Staatsdienst. In Erkenntnis seiner Perspektivlosigkeit wanderte er 1831 in die USA aus.
Dort konnte er seine Fachkenntnisse beim rasanten Ausbau der Verkehrswege einbringen. Seine Erfindung der Drahtseil-Hängebrücke ermöglichte die Verbindung von hoher Tragfähigkeit mit bis dahin ungeahnten Spannweiten. Die Brücke über die Niagara-Fälle (1855, 243 m Spannweite) und schließlich, als sein Lebenswerk, die Brooklyn-Bridge in New York (1883, 487 m Spannweite) seien hier nur genannt. Er verstarb 1869 an den Folgen eines Unfalles und so vollendete sein Sohn Washington das Werk.
Nach J. A. Roebling wurde in Mühlhausen eine Straße benannt, und sein Geburtshaus (heute: Röblingstr. 5) trägt eine Gedenktafel. Am 11. Mai 2007 wurde im Beisein seines Ururenkels Kriss Roebling ein Bronzedenkmal auf dem Untermarkt eingeweiht.

Erika Riemann

* 25.12.1930

Die Zeitzeugin Erika Riemann - 1930 in Mühlhausen geboren - beschreibt in ihrem Buch "Die Schleife an Stalins Bart" (Hamburg, Hoffmann und Campe Verlag, 2002) acht qualvolle Jahre aus der Jugendzeit, die sie von 1945 bis 1954 hinter hohen Gefängnismauern verbringen musste. Lange Jahre hat sie die schlimmen Erlebnisse in den Gefängnissen Sachsenhausen, Bautzen und Hoheneck für sich behalten.
Das Verbrechen: Im August 1945 malte sie auf ein großes Stalin-Porträt in der gerade wieder eröffneten Schule in der Mühlhäuser Brückenstraße (heute: Johann-August-Röbling-Schule für Gesundheitswesen) mit Lippenstift eine Schleife auf den Bart des Diktators.

Siegfried Pitschmann

* 12. Januar 1930 - † 29. August 2002


Siegfried Pitschmann, 1930 in Grünberg geboren, kam als Jugendlicher mit einem Flüchtlingstransport 1945 nach Mühlhausen/Thür. Der junge Mann entwickelte frühzeitig Talent zum Schreiben, seine ersten Schreibversuche fallen in das Jahr 1946. Er begann zeitgleich eine Ausbildung bei dem Mühlhäuser Uhrmachermeister Arthur Rost. Zunächst mit der Mühlhäuser Gerbermeisterin Elfriede Stölcker verheiratet, schloss er später eine zweite Ehe mit der DDR-Schriftstellerin Brigitte Reimann. Seine Karriere als Schriftsteller der DDR bekam einen herben Rückschlag, als sein erstes Romanmanuskript „Erziehung eines Helden“ vom Schriftstellerverband öffentlich diffamiert wurde. Gemeinsam mit Reimann zog er 1960 nach Hoyerswerda. Mühlhausen blieb er dennoch ein Leben lang besonders verbunden. Obwohl Siegfried Pitschmann 2002 in Suhl verstarb, wurde seine Urne auf eigenen Wunsch auf dem Neuen Friedhof in Mühlhausen beigesetzt.

Kristan von Mühlhausen, Grabplatte
Kristan von Mühlhausen, Grabplatte
Thomas Müntzer
Thomas Müntzer
Johannes Eccard
Johannes Eccard
Johann Sebastian Bach
Johann Sebastian Bach
Wilhelm Gottlieb Tilesius von Tilenau
Wilhelm Gottlieb Tilesius von Tilenau
Carl Theodor Gier
Karl Theodor Gier (vermutl.) aus: Sa. Mühlhäuser Museen
Friedrich August Stüler
Friedrich August Stüler
Johann August Roebling
Johann August Roebling
Erika Riemann
Erika Riemann, Foto: Umschlagseite "Die Schleife an Stalins Bart"
Siegfried Pitschmann
Siegfried Pitschmann, 1956 (Foto: privat)