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Mo 28.04.2008 - Außergewöhnliche Gala in St. Marien
PRESSESCHAU

Außergewöhnliche Gala in St. Marien


Der Domchor und JugendKathedralchor zu Fuldasowie Blechbläser und Schlagwerk des Gewandhausorchesters Leipzig, Foto: TA Tino SielandBesetzt bis auf den letzten Platz, bot die größte Mühlhäuser Kirche den Besuchern einen ungewöhnlichen Anblick. Hatten sie doch durch Umstellung des Gestühls den Altarraum im Rücken und das prächtige neugotische Prospekt der Orgel vor sich. Angestrahlt, waren die silbrig gleißenden Zinnpfeifen und der warme Holzton mit den feinen Vergoldungen im Stile gotischer Zinnen schon ein optisches Erlebnis.

Mit herzlichen Worten begrüßte Bürgermeister Peter Bühner die Gäste und verwies noch einmal auf das Ziel der an diesem Abend eröffneten "Mühlhäuser Marienkonzerte", das vor allem dem Erhalt der monumentalen Orgel gilt. Der Samstagabend - ein Höhepunkt der "Mühlhäuser Musiktage". Eine Kirche ist wie sie ist und es ist uninteressant, sich über ihre Akustik auszulassen. Dennoch: Dieses Mal wurde mit dem Podest unter der Orgelempore samt 140 Sängern, Bläsern, Pauke und begleitender Orgel darüber zweifellos ein akustisches Optimum erreicht. Und die Mitwirkenden nahmen den geringen Hall gelassen, voran Domkapellmeister Franz-Peter Huber aus Fulda, der seinen großen Chor so führte, dass jedes Wort verständlich blieb. Das Ensemble ist an großen Werken geschult, die Stimmen sind klar und ausgeglichen geführt, der Chor verstand es, die farbenreich-funkelnde Eleganz französischer Spätromantik stilistisch überzeugend zu demonstrieren.

Das Eröffnungskonzert der "Mühlhäuser Marienkonzerte" hat mit der "Französischen Orgelgala" Referenzcharakter. Die Werke für Chor, Blechbläser, Schlagwerk und Orgel werden kaum aufgeführt.
Denny Wilke an der Sauerorgel, Foto: TA Tino SielandDie Anregung zu diesem Programm gab Denny Ph. Wilke. Der Organist und Assistent von Gewandhausorganist Michael Schönheit vermittelte einen guten "Einstand" als künstlerischer Leiter und Betreuer der "Mühlhäuser Marienkonzerte". Durch seine Auftritte bereits bekannt, lernte man ihn im Eröffnungskonzert nicht nur als umsichtigen Begleiter, sondern auch als ausgezeichneten Solisten kennen. Mit zwei Soli präsentierte er sein Orgelverständnis. Aus Oliver Messiaens "Himmelfahrt" spielte er den zweiten Satz: "Das fröhliche Halleluja einer Seele, die nach dem Himmel verlangt" wurde zur Kunst der zarten Bestimmtheit, während er mit Virtuosität Charles-Marie Widors Toccata aus der 5. Orgelsinfonie zu einem wilden "Walkürenritt" machte. Widor, der große Lehrer, sein Schüler Marcel Dupré und Louis Vierne, sein Kollege an Notre Dame sind Spitzennamen der französischen Orgelschule. Marcel Duprés "Heroisches Gedicht", op. 33, für drei Trompeten, drei Posaunen, Trommel und Orgel, positioniert auf der Empore, eröffnet den großen Abend. Die untadelige Intonation der Leipziger Blechbläser verschmolz mit den melodiösen dunklen Registern der Orgel. Die völlig anderen Klangqualitäten französischer Musik zeigten sich auch in Widors Werk "Sorge für deines Volkes Errettung", op. 84, für die gleiche Besetzung, das eine fulminante Steigerung erfuhr.

Brilliant: Domchor zu Fulda, Foto: TA Tino SielandMit der Motette "Du bist Petrus", op. 18, für zwei Chöre und zwei Orgeln gab es ein weiteres Werk des Altmeisters Widor.Neben Wilke spielte Andrea Malzahn den Orgelpart. Dank der drei Manuale sowie Pedal konnte das Problem der vorgeschriebenen zwei Orgeln vierhändig gelöst werden. Ebenso verfuhr man bei Louis Viernes "Messe solennelle" cis Moll op. 16 für Chor, Blechbläserquintett, Pauken und zwei Orgeln, eine der Originalfassungen des Komponisten. Ausdruck tiefster Gläubigkeit, beginnt das "Gloria" mit einem Männersolo, das Franz-Peter Huber selbst vortrug. Fein differenziert die fünf Messesätze mit sehr guten Männerstimmen im "Benediktus" sowie zart rhythmisierenden Sopranen im "Agnus dei". Die Verständigung zwischen Organisten auf der Empore und Chor sowie Instrumentalisten im Kirchenschiff fand über Monitor statt. Und dass das besonders sensibel geschah, zeigte Gabriel Faurés "Gesang über Jean Racine" op. 11 für Orgel und Chor. Cesar Francks 150. Psalm in der Fassung von Franz-Peter Huber war Abschluss eines Konzertes, das in seiner Einmaligkeit dennoch Maßstäbe setzen sollte.

(Thüringer Allgemeine vom 28.04.2008 von Dr. Uta Ziegner) mehr...

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