Nach mehrjähriger Pause wird in diesem Jahr wieder ein Stolperstein verlegt. Es handelt sich um den 77. Stolperstein in Mühlhausen. Erstmals findet die Verlegung in einem Ortsteil der Stadt statt – in Grabe. Damit setzen die Stadt Mühlhausen und der Christlich-Jüdische Arbeitskreis erneut ein sichtbares Zeichen für eine lebendige Gedenkkultur.
Die Verlegung findet statt am
Donnerstag, 1. Oktober 2026, um 12 Uhr
Hauptstraße 26, Ortsteil Grabe
vor dem ehemaligen Wohnhaus von Pastor Zippel. In dem Gebäude befindet sich heute ein Kindergarten.
In den vergangenen Monaten haben Ehrenamtliche aus Mühlhausen die Lebensbiografie von Pastor Friedrich Zippel recherchiert und aufgearbeitet. Er wohnte und wirkte in Grabe und schloss sich der Bekennenden Kirche an. Am 8. April 1941 wurde er verhaftet und in das Gestapo-Gefängnis auf dem Petersberg in Erfurt eingeliefert. Von dort wurde er am 13. Juni 1941 in das Konzentrationslager Dachau deportiert. Pastor Zippel überlebte die Haft und konnte im April 1945 in seine Pfarrstelle zurückkehren.
Die Stadt Mühlhausen und der Christlich-Jüdische Arbeitskreis laden alle Bürgerinnen und Bürger herzlich zur Teilnahme ein.
Hintergrund
Im Jahr 2010 begann die Stadt Mühlhausen, mit Stolpersteinen an Mühlhäuser Schicksale während des Holocaust zu erinnern. Sämtliche bisher verlegten Steine wurden durch Spenden von Bürgerinnen und Bürgern aus Mühlhausen finanziert.
Stolpersteine sind ein Kunstprojekt des Kölner Künstlers Gunter Demnig. Die kleinen quadratischen Gedenktafeln aus Messing erinnern an Menschen, die während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. In der Regel werden sie vor dem letzten frei gewählten Wohnhaus der Verfolgten in den Gehweg oder den jeweiligen Straßenbelag eingelassen.
Nach Angaben des Stolperstein-Projekts wurden inzwischen mehr als 107.000 Stolpersteine in rund 1.900 Kommunen in Europa verlegt.





























